Wie Plenarwatch funktioniert

Plenarwatch dokumentiert namentliche Abstimmungen im Deutschen Bundestag aus den Primärquellen. Keine Einordnung durch den Kanal, kein Kommentar, kein Framing. Damit sich jede und jeder eine eigene Meinung bilden kann, bevor die Medien es getan haben.

Motivation

Der Bundestag entscheidet, wie in Deutschland gelebt wird — welche Gesetze gelten, wie Steuern verteilt werden, wer Schutz, Leistungen oder Freiheiten bekommt. Die Grundlagen dafür sind öffentlich: Abstimmungsergebnisse, Stenografische Berichte, Drucksachen. Aber kaum jemand liest sie. Die meisten erfahren von Beschlüssen nur gefiltert durch Medien, die eine Einordnung mitliefern — oft eine gute, oft eine erwartbare, selten eine ohne Perspektive.

Plenarwatch versucht etwas anderes: Primärquellen so sichtbar machen, dass man sie direkt selbst lesen kann. Ohne dass der Kanal dir sagt, was davon zu halten ist.

Was in einem Post steht

Jeder Beitrag folgt derselben Struktur:

Jede Fraktion erscheint in identischer Form — mit gleich viel Platz und gleich vielen Argumenten, unabhängig davon, ob sie zur Mehrheit oder Minderheit gehört.

Woher die Daten kommen

Ausschließlich aus offiziellen Quellen des Deutschen Bundestages:

Keine externen Datenbanken, keine Zweitauslegungen, keine zusammengefassten Agenturberichte.

Wie Inhalte erstellt und geprüft werden

Posts werden redaktionell aus den Primärquellen zusammengestellt — nicht von einer KI frei geschrieben. Die Fraktionsargumente sind Paraphrasen aus dem Stenografischen Bericht: nicht erfunden, sondern verdichtet, so nah wie möglich an dem, was die Rednerinnen und Redner der jeweiligen Fraktion tatsächlich gesagt haben.

Bevor ein Post auf Telegram oder die Website geht, durchläuft er drei Prüfungen:

  1. Link-Prüfung (automatisch, deterministisch): Jeder Quellenlink wird aufgerufen und gegen die im Post genannten Abstimmungs-IDs und Drucksachen-Nummern abgeglichen. Toter Link oder falsche Abstimmung → Post wird zurückgewiesen.
  2. Stimmsummen-Prüfung (automatisch, deterministisch): Die im Post angegebenen Ja/Nein/Enthalten-Summen pro Fraktion werden mit den Original-XLSX-Daten vom Bundestag verglichen. Abweichung → zurückgewiesen.
  3. KI-Inhaltsprüfung (claude-sonnet-4-6, Anthropic): Ein zweiter Blick auf interne Konsistenz, Quellenrichtigkeit und Tonalität. Der vollständige Prüf-Prompt ist unten offengelegt.

Ein Post, der an einer dieser Prüfungen scheitert, wird nicht veröffentlicht, sondern wandert in die manuelle Review.

Was die KI hier tut — und was nicht

Die KI schreibt keine Posts. Sie prüft nur einen bereits existierenden, redaktionell erstellten Text und darf ausschließlich vier Dinge flaggen: Faktenwidersprüche im Post selbst, falsche Quellenlinks, wertende Formulierungen in der Stimme des Kanals, strukturelle Schäden (z. B. fehlende Quellen-Sektion). Stilistische Vorschläge oder politische Bewertungen sind explizit ausgeschlossen.

Dieser System-Prompt wird wortgleich bei jeder Prüfung an Claude geschickt. Er wird hier direkt aus dem laufenden Code ausgelesen, kann also nicht von der Realität abweichen:

Du bist der Validierungs-Bot für Plenarwatch, einen quellenbasierten Bundestags-Kanal.

Deine Aufgabe: finde **eindeutige Blocker** in einem Plenarwatch-Post. Nur echte Fehler, die vor dem Posten gefixt werden MÜSSEN. Keine stilistischen Vorschläge, keine Grenzfälle, keine "könnte man auch so sehen"-Bedenken.

Blocker sind nur:
1. [Fakten] Zahlen oder Behauptungen, die sich im Post selbst widersprechen (z. B. Partei-Summen passen nicht zum Gesamtergebnis, zwei inkonsistente Datumsangaben).
2. [Quellen] Abstimmungs-Link zur falschen Abstimmung verlinkt, oder der im Post genannte Drucksachen-Link zeigt auf ein anderes Thema. Ein fehlender Plenarprotokoll-Link wird vom deterministischen Link-Validator erkannt — ignoriere das.
3. [Tonalität] Offensichtliche Wertungen in eigener Stimme des Kanals (nicht: Zitate oder Paraphrasen von Fraktionspositionen — die sind Dokumentation, nicht Wertung).
4. [Template-Fit] Strukturkollaps: kein Titel, kein Abstimmungsergebnis, keine Quellen-Sektion.

Nicht-Blocker (niemals flaggen):
- Zitate/Paraphrasen aus Fraktions-Debatten mit wertender Sprache — das ist die Position der Fraktion, nicht des Kanals.
- Stilistische Vorschläge ("man könnte kürzen", "flüssiger formulieren").
- Unsicherheiten, die du nicht beweisen kannst ("Datum X wäre nur plausibel wenn Y" — dann weißt du es nicht).
- Hinweise wie "nicht aus dem Post auflösbar" — das ist kein Blocker, sondern normal.

Antworte als JSON-Array von Strings. Jeder String: kurze, klare Blocker-Beschreibung mit Dimensions-Präfix. Leeres Array heißt: Post ist ok.

Beispiele:
Gut:   ["[Fakten] Fraktionssummen Ja ergeben 388, im Header stehen 389"]
Gut:   []
Schlecht: ["[Tonalität] Grünen-Zitat 'unmenschlich' ist wertend"] — das ist ein Fraktionszitat, keine Kanal-Wertung.

Im Zweifel immer Array leer lassen. Nur sicher, nur Blocker. Keine Erklärungen außerhalb des Arrays.

Themen-Tags

Zusätzlich zur Inhaltsprüfung weist dasselbe Modell jedem veröffentlichten Post ein bis drei Themen-Tags aus einer festen Liste zu — eine reine Kategorisierung, damit sich der Feed nach Themen filtern lässt. Die KI schreibt keine neuen Kategorien, sondern wählt ausschließlich aus folgender vorgegebener Liste:

Migration, Soziales, Wirtschaft & Finanzen, Energie & Klima, Verteidigung, Innere Sicherheit, Justiz, Digitales, Gesundheit, Bildung, Verkehr, Außenpolitik, Staat & Demokratie

Die Tag-Zuweisung ist kein Blocker: Scheitert der API-Aufruf, wird der Post trotzdem veröffentlicht — er erscheint dann ohne Themen-Tag.

Neutralität — und ihre Grenzen

„Keine Einordnung, keine Wertung" ist selbst eine redaktionelle Haltung. Konkret heißt das:

Wo wir nicht vollständig neutral sein können, ist in der Auswahl: Welche Abstimmungen werden dokumentiert? Wir dokumentieren namentliche Abstimmungen, weil diese vollständig und per Stimmzettel protokolliert sind. Hammelsprünge, Handabstimmungen und Ausschussentscheidungen bleiben außerhalb dieser Plattform — nicht weil sie weniger wichtig wären, sondern weil ihre Datenlage keine vergleichbare Transparenz erlaubt.

Was du selbst prüfen kannst

Alles, was in einem Post steht, ist gegen die Primärquellen nachprüfbar:

Wenn uns ein Fehler auffällt: Wir korrigieren öffentlich. Wenn dir einer auffällt: kontakt@plenarwatch.de.

Was Plenarwatch nicht ist

Finanzierung

Plenarwatch GbR, München. Aktuell aus eigenen Mitteln finanziert. Keine Werbung, kein Sponsoring, keine Parteinähe. Wenn sich daran etwas ändert, steht es hier.