NIPT: Monitoring und Expertengremium zur Anwendungspraxis beschlossen

Amtlich: „Antrag zur Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests“

Bundestag, 8. Oktober 2026
Namentliche Abstimmung · Drucksachen 21/3873, 21/8475, 21/6075

✅ Antrag angenommen: 527 Ja · 18 Nein · 23 Enthaltungen

Worum ging es?

Der Bundestag stimmte über einen fraktionsübergreifenden Gruppenantrag ab, der ein Monitoring der Anwendungspraxis des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) als Kassenleistung sowie die Einrichtung eines Expertengremiums zur Klärung medizinischer, ethischer und rechtlicher Fragen fordert. Ein kurzfristig eingebrachter Änderungsantrag (Drucksache 21/8475) stellte ergänzend klar, dass der kassenfinanzierte Zugang zum NIPT bei gerechtfertigter medizinischer Indikation nicht erschwert werden soll. Ergebnisse des Monitorings sollen bis Ende Juni 2027 vorliegen.

CDU/CSU192 Ja · 0 Nein · 3 Enthaltungen · 13 n.a.

  • Die Fraktion betonte, der NIPT sei de facto zu einer Reihenuntersuchung geworden, obwohl er nur in begründeten Einzelfällen Kassenleistung sein solle.
  • Sie verwies auf eine hohe Rate falsch-positiver Befunde, die werdende Eltern in belastende Entscheidungssituationen bringe und invasive Folgeuntersuchungen nach sich ziehe.
  • Der Antrag ziele ausschließlich auf ein besseres Lagebild — nicht auf Einschränkung der Kassenleistung oder der Untersuchungsfreiheit.

AfD107 Ja · 14 Nein · 11 Enthaltungen · 18 n.a.

  • Die Fraktion unterstützte das Monitoring, da eine solide Daten- und Faktengrundlage für die weitere Kassenzulassung derzeit fehle.
  • Sie betonte, der Test könne den Druck auf Schwangere erhöhen und führe laut einer Studie in etwa 95 Prozent der Fälle nach einem positiven Befund auf Downsyndrom zu einem Schwangerschaftsabbruch.

SPD106 Ja · 1 Nein · 2 Enthaltungen · 11 n.a.

  • Die Fraktion hob hervor, der NIPT sei zugelassen worden, um die invasive Fruchtwasseruntersuchung zu ersetzen — der Zugang dürfe nicht vom Geldbeutel der Familie abhängen.
  • Sie begrüßte den Änderungsantrag, der klarstelle, dass die Kassenleistung nicht infrage gestellt werde.
  • Die Fraktion sah ein Spannungsverhältnis zwischen dem Recht auf Wissen, der freien Entscheidung und dem gesellschaftlichen Signal, das eine routinemäßige Anwendung sende.

Bündnis 90/Die Grünen71 Ja · 2 Nein · 2 Enthaltungen · 10 n.a.

  • Die Fraktion sah die Gefahr, dass der NIPT faktisch dazu genutzt werde, Leben vor allem mit Trisomie 21 flächendeckend auszusortieren.
  • Sie betonte, Selbstbestimmung erfordere Freiheit von gesellschaftlichem Druck sowie eine gute Beratung und eine inklusive Gesellschaft, die Familien mit behinderten Kindern nicht alleinlasse.
  • Der erzielte Kompromiss mache unmissverständlich klar, dass nicht-invasive Diagnostik keine Frage des Geldbeutels sein dürfe.

Die Linke49 Ja · 1 Nein · 4 Enthaltungen · 10 n.a.

  • Die Fraktion sprach sich für Monitoring und ein Expertengremium aus, um allen Beteiligten gleichen Zugang zum Wissensstand zu ermöglichen.
  • Sie mahnte, die Debatte über gesellschaftliche Auswirkungen — insbesondere den Umgang mit Behinderung — müsse auch nach Abschluss des Monitorings fortgeführt werden.

Fraktionslose2 Ja · 0 Nein · 1 Enthaltungen · 0 n.a.


Quellen

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